Letzte Woche war ich für valantic beim Google Coud Summit DACH in Frankfurt. Die Anreise war entspannt: mit dem Deutschlandticket per Zug, klimafreundlich und ohne Parkplatz-Stress. Schon das Rahmenprogramm hat gesetzt, was den Ton für die zwei Tage vorgab – groß, professionell, durchdacht. Mehrere Tausend Teilnehmer, kostenfreie Veranstaltung inklusive Essen und Getränken. Google lässt sich das was kosten.
Tag 1: Der AI Experience Walk
Der erste Tag stand für mich im Zeichen des AI Experience Walk – einer Art begehbaren KI-Ausstellung, bei der Google seine Lösungen entlang der kompletten Wertschöpfungskette vorgestellt hat. Vom ersten Kundenkontakt bis zur internen Prozessautomatisierung war alles vertreten.

Google gab selbst Einblicke wie sich die Entwicklung aufgrund der Nutzung von KI geändert hat. Es gibt immer mehr Entwickler die nur noch mit Prompts arbeiten und die IDE selbst gar nicht mehr wirklich nutzen.

Was für mich imer wieder durchkam war, dass das Thema "Grounding" einfach viel ernster genommen werden muss. Über Tests gilt es die Ergebnisse (gerade in Verbindung mit eigenen Daten) immer wieder zu automatisch zu überprüfen. Das Test-Driven-Development ist wieder da aber eben anders wie früher.
Was mich am meisten beeindruckt hat: Live-Remote-Video-Übersetzung in 15 Sprachen, in Echtzeit, direkt im Video-Stream. Das war kein Demo-Video und kein "coming soon" – das hat funktioniert. Solche Momente zeigen, wo KI gerade wirklich steht. Nicht alles ist noch Versprechen.
Ein zweites großes Thema am ersten Tag war Digitale Souveränität. Das ist kein neues Thema, aber es war auffällig, wie prominent Google es platziert hat. Wer kontrolliert die Infrastruktur, wer hat Zugriff auf die Daten, wo laufen die Modelle? Für viele Unternehmen sind das inzwischen keine akademischen Fragen mehr, sondern konkrete Entscheidungskriterien bei der Plattformwahl.
Tag 2: Hands-on statt Hype
Tag 2 war für mich der wertvollere. Weniger Bühne, mehr Werkstatt. In den Hands-on Sessions konnte man direkt selbst ran – und das macht einen Unterschied.
Ich habe einen MCP Server live auf das Google ADK umgestellt – direkt auf der Veranstaltung, nicht vorher vorbereitet, nicht in einer kontrollierten Demo-Umgebung. Das hat funktioniert, und das war ein gutes Signal. Das ADK ist praxistauglich genug, um spontan damit zu arbeiten.
Besonders interessant war ein Vortrag zum Thema RAG (Retrieval-Augmented Generation) am konkreten Anwendungsfall: Gesetzestexte. Die Herausforderung bei juristischen Dokumenten ist nicht nur, die richtige Passage zu finden – sondern sie auch korrekt zu zitieren, mit Paragraphen-Referenz und im richtigen Kontext. Genau das wurde gezeigt. Ein Anwendungsfall, der echte Anforderungen hat und bei dem schlechte Ergebnisse echte Konsequenzen hätten. RAG muss hier nicht nur "meistens" funktionieren.

Google als einziger Full-Stack-KI-Anbieter
Eine Beobachtung zieht sich durch beide Tage: Google ist der einzige Anbieter, der Hardware, Software und Plattform für KI aus einer Hand liefert. Eigene TPUs, eigene Modelle (Gemini), eigene Cloud-Infrastruktur, eigene Entwicklertools. Das ist eine andere Ausgangssituation als bei Anbietern, die sich auf externe Chip-Hersteller oder Drittanbieter-Infrastruktur verlassen.
Ob das ein Vorteil ist, hängt davon ab, was man sucht. Wer tief in das Google-Ökosystem einsteigen will, hat eine konsistente Stack-Erfahrung. Wer Unabhängigkeit und Portabilität priorisiert, sieht das vielleicht anders. Ich finde es trotzdem bemerkenswert, dass kein anderer Hyperscaler diese Kombination in dieser Tiefe vorweisen kann.
Fazit
Zwei Tage, mehrere Tausend Teilnehmer, kein Eintrittsgeld. Google investiert sichtbar in Community und Sichtbarkeit – und das zahlt sich aus. Man verlässt so eine Veranstaltung nicht mit fertigen Entscheidungen, aber mit einem guten Gefühl dafür, wo die Reise hingeht.
Für mich persönlich: Tag 2 hat mehr gebracht als Tag 1. Nicht weil der AI Experience Walk uninteressant war – sondern weil Hands-on-Erfahrung durch nichts zu ersetzen ist. Einen MCP Server live umzustellen und direkt Feedback zu bekommen, ist mehr wert als zehn Folien über dasselbe Thema.
Wer die Möglichkeit hat, beim nächsten Google Summit dabei zu sein: lohnt sich.